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Reifen & Felgen

RDKS: Sensoren, Anlernen und Kosten

RDKS-Warnleuchte an? Was aktive und passive Systeme unterscheidet, warum Sensoren beim Räderwechsel angelernt werden müssen und was bei der HU zählt.

Ingo Freigang, Kfz-Meister 9 Min. Lesezeit

Die kleine Warnleuchte mit dem Ausrufezeichen im Hufeisen ist eine der am häufigsten missverstandenen Anzeigen im Auto. Mal meint sie zu wenig Luft, mal einen defekten Sensor, mal nur, dass nach dem Räderwechsel niemand angelernt hat. Dieser Ratgeber sortiert das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) - was Ihr Fahrzeug hat, was beim Räderwechsel passieren muss, und warum die Lampe bei der HU zählt.

Zwei Systeme, ein Symbol

Passives RDKS (indirekt)

Es gibt keine Sensoren im Rad. Das System nutzt die ABS-Sensoren und vergleicht die Drehzahlen der vier Räder. Verliert ein Reifen Luft, wird sein Abrollumfang kleiner und er dreht schneller - daraus schließt die Software auf Druckverlust.

  • Vorteil: keine Sensorkosten, ein zweiter Radsatz braucht nichts Zusätzliches
  • Nachteil: es erkennt keinen gleichmäßigen Druckverlust an allen vier Rädern, reagiert träge und muss nach jeder Druckkorrektur zurückgesetzt werden

Das Zurücksetzen ist der Punkt, an dem die meisten Fehlalarme entstehen: Wer Luft nachfüllt, aber nicht neu initialisiert, behält die Warnung.

Aktives RDKS (direkt)

In jedem Rad sitzt ein Sensor, der Druck und Temperatur misst und per Funk an das Steuergerät sendet. Er hat eine fest eingegossene Batterie und eine eindeutige ID.

  • Vorteil: genaue Werte, oft radgenau im Display, erkennt jeden Druckverlust
  • Nachteil: Sensoren kosten Geld, brauchen einen zweiten Satz für Winterräder und müssen angelernt werden

Was Pflicht ist

Für Pkw mit Erstzulassung ab November 2014 ist ein Reifendruckkontrollsystem vorgeschrieben. Daraus folgt:

  • Das System muss funktionieren - eine dauerhafte Warnung ist ein Mangel
  • Ein zweiter Radsatz muss beim aktiven System ebenfalls Sensoren haben
  • Deaktivieren ist keine zulässige Lösung

Bei älteren Fahrzeugen ohne diese Pflicht gilt das nicht - dort ist ein nachgerüstetes oder nicht mehr funktionierendes System kein HU-Thema.

Beim Räderwechsel: was tatsächlich gemacht werden muss

Ein Räderwechsel mit RDKS ist mehr als vier Schrauben. Fachgerecht gehört dazu:

  1. Sensoren prüfen: senden sie, wie ist der Batteriestatus, stimmen die Werte
  2. Ventile warten: Dichtring, Ventileinsatz und Ventilkappe sind Verschleißteile. Metallventile korrodieren, gerade mit Streusalz im Ruhrgebiet
  3. Korrektes Drehmoment am Ventil - Sensoren werden durch Überdrehen zerstört, das ist der häufigste Montageschaden
  4. Anlernen der Sensor-IDs im Steuergerät
  5. Druck auf den korrekten Wert setzen, danach System initialisieren

Punkt 4 läuft je nach Fahrzeug unterschiedlich: Manche lernen selbstständig nach einigen Minuten Fahrt, manche brauchen eine Prozedur mit dem Diagnosegerät, manche speichern zwei Radsätze und werden nur umgeschaltet. Das RDKS-Auslesen und -Anlernen gehört bei uns zum Reifenservice.

Was beim saisonalen Wechsel sonst zählt - Zeitpunkt, Profiltiefe, Einlagerung - steht in Reifenwechsel: wann Sommer, wann Winter.

Warnleuchte an - der Ablauf in der richtigen Reihenfolge

AnzeigeBedeutungWas tun
Leuchtet dauerhaftDruckverlust erkanntAlle vier Reifen kalt prüfen und korrigieren, dann System zurücksetzen
Blinkt beim Start, dann DauerlichtSystemfehler, meist Sensor oder EmpfängerAuslesen lassen - Luftdruck ist hier nicht die Ursache
Kommt bei Kälte, geht bei WärmeTemperaturbedingter DruckabfallNormal, aber Druck nachsetzen: pro 10 °C Abkühlung etwa 0,1 bar weniger
Kommt nach RäderwechselNicht angelernt oder nicht initialisiertAnlernen lassen

Der dritte Fall ist der häufigste im Herbst. Wenn nachts die Temperatur fällt, sinkt der Druck physikalisch - das ist kein Defekt, aber ein guter Anlass, den Druck kalt zu korrigieren.

Wichtig: Reifendruck immer am kalten Reifen prüfen. Nach zehn Kilometern Fahrt ist der Reifen warm und zeigt einen zu hohen Wert an. Wer dann Luft ablässt, fährt anschließend mit Unterdruck.

Warum der richtige Druck mehr als eine Formalie ist

Ein Reifen mit 0,5 bar zu wenig:

  • verbraucht mehr Kraftstoff durch höheren Rollwiderstand
  • verschleißt an den Schultern deutlich schneller
  • wird heiß - der Hauptgrund für Reifenplatzer bei Autobahnfahrt
  • verlängert den Bremsweg und macht das Fahrzeug in Kurven träge
  • kann sich von der Felge lösen, wenn der Druck sehr stark abfällt

Deshalb ist RDKS kein Komfortsystem. Es ist der Grund, warum ein schleichender Nagel im Reifen auffällt, bevor er zum Schaden wird.

Sensor defekt - einer oder alle vier?

Wenn ein Sensor ausfällt, stellt sich die Frage nach den anderen drei. Unsere Regel:

  • Alle Sensoren gleich alt und über fünf Jahre: Satztausch ist meist die vernünftigere Entscheidung. Sie zahlen die Montage einmal statt viermal.
  • Sensor durch Montageschaden defekt, Rest jung: einzeln ersetzen.
  • Nachrüst-Sensoren: müssen für Ihr Fahrzeug programmiert werden. Universalsensoren gibt es, sie brauchen aber die korrekte Protokolldatei.

Wir sagen Ihnen den Batteriestatus der übrigen Sensoren, damit Sie das nicht raten müssen.

Wenn Sie Winterräder kaufen: die Entscheidung vorher treffen

Beim Kauf eines zweiten Radsatzes stellt sich bei aktivem RDKS immer dieselbe Frage - und sie sollte vor dem Kauf beantwortet sein, nicht danach.

Variante 1: zweiter Sensorsatz. Jeder Radsatz hat eigene Sensoren. Einmalige Investition, dafür ist der Räderwechsel danach ein reiner Radwechsel plus Anlernen oder Umschalten.

Variante 2: Sensoren umbauen. Ein Satz Sensoren wandert zweimal im Jahr von einem Radsatz zum anderen. Klingt sparsam, ist es nicht: Bei jedem Umbau muss der Reifen von der Felge, das ist Arbeitszeit und Risiko für Sensor und Reifenwulst. Nach zwei Jahren haben Sie mehr bezahlt als für den zweiten Satz.

Unsere klare Empfehlung ist Variante 1. Sie zahlen einmal und haben über die gesamte Lebensdauer der Sensoren Ruhe.

Ein Zusatzpunkt bei Gebrauchträdern aus dem Kleinanzeigenmarkt: Fragen Sie nach, ob Sensoren verbaut sind und wie alt sie sind. Ein Satz Räder mit acht Jahre alten Sensoren ist ein Satz Räder ohne Sensoren - nur teurer.

Universalsensoren und was beim Programmieren passiert

Es gibt zwei Arten von Ersatzsensoren:

  • Fahrzeugspezifische Sensoren kommen ab Werk mit dem passenden Protokoll und werden nur noch angelernt.
  • Universal- oder programmierbare Sensoren sind leer und bekommen mit einem Programmiergerät das Protokoll für Ihr Fahrzeug aufgespielt.

Universalsensoren sind eine gute Lösung, weil sie die Lagerhaltung reduzieren, ohne technisch schlechter zu sein. Voraussetzung ist ein Programmiergerät mit aktueller Datenbank: Für ein Modell, das erst seit einem Jahr auf dem Markt ist, muss die Datenbank auf dem neuesten Stand sein - ein Sensor mit falschem Protokoll wird vom Fahrzeug schlicht nicht gefunden. Fragen Sie uns vorher, welche Variante für Ihr Fahrzeug die richtige ist; wir klären das, bevor Sie Sensoren kaufen.

Beim Klonen gibt es zusätzlich die Möglichkeit, die ID des alten Sensors zu übernehmen - dann entfällt das Anlernen im Fahrzeug komplett. Das funktioniert nur, wenn der alte Sensor noch sendet, also bevor er ganz tot ist.

Ventile sind Verschleißteile - auch ohne Sensor

Bei jedem Räderwechsel gehören die Ventile angesehen, und bei RDKS-Sensoren gilt das doppelt:

BauteilWarum es getauscht wird
Dichtring am VentilschaftHärtet aus, verliert die Dichtwirkung - schleichender Druckverlust
VentileinsatzVernickelt, korrodiert mit dem Aluminiumventil, wird undicht
VentilkappeHält Feuchtigkeit vom Einsatz fern, gehört zwingend drauf
Mutter am MetallventilWird mit definiertem Drehmoment angezogen, ist ein Einwegteil

Der letzte Punkt ist der, an dem die meisten Sensoren sterben: zu fest angezogen. Aluminium-Metallventile mit RDKS-Sensor haben ein Drehmoment im Bereich weniger Newtonmeter. Wer mit der Ratsche “gut fest” macht, reißt entweder das Gewinde ab oder bricht den Sensorhals. Deshalb kommt bei uns ein Drehmomentschlüssel ans Ventil - jedes Mal.

Der richtige Reifendruck - und wo er steht

Der Sollwert für Ihr Fahrzeug steht an einer von drei Stellen:

  1. Türholm auf der Fahrerseite - der häufigste Ort
  2. Innenseite der Tankklappe
  3. In der Betriebsanleitung, oft mit Unterscheidung nach Beladung

Was viele übersehen: Es gibt meist zwei Werte - einen für Teilbeladung und einen für Volllast. Wer mit vier Personen und Gepäck ins Sauerland fährt und den Teillastwert fährt, überlastet die Reifen thermisch.

Und noch ein Hinweis für die kalte Jahreszeit: Pro 10 Grad Temperaturabfall sinkt der Druck um etwa 0,1 bar. Der Wagen, der im Oktober bei 18 Grad korrekt befüllt wurde, hat im Januar bei minus 5 Grad rund 0,2 bar zu wenig. Genau dann meldet sich das RDKS - und es hat recht.

Was Sie beim Räderwechsel bei uns bekommen

  1. Räder abnehmen, Bremsen und Radlager im Blick behalten
  2. Reifen prüfen: Profiltiefe an mehreren Stellen, Alter über die DOT-Nummer, Beschädigungen an Flanke und Lauffläche
  3. Verschleißbild deuten - einseitiger Abrieb verrät Spur- oder Druckprobleme
  4. RDKS-Sensoren auslesen: Funktion, Druckwert, Batteriestatus
  5. Ventile warten oder ersetzen
  6. Radnaben reinigen - Korrosion an der Auflagefläche führt zu Höhenschlag und lockeren Rädern
  7. Felgen beurteilen: Bordsteinschäden, Kratzer und angegriffene Beschichtung fallen beim Wechsel auf - was sich davon reparieren und aufbereiten lässt, steht in Felgen-Aufbereitung und -Reparatur
  8. Montage mit Drehmomentschlüssel nach Herstellervorgabe
  9. Druck setzen und System anlernen oder umschalten
  10. Hinweis zum Nachziehen nach etwa 50 Kilometern

Punkt 6 wird gern übersprungen und ist eine der häufigsten Ursachen für Vibrationen nach einem Räderwechsel. Eine Nabe mit Rostschuppen bringt das Rad nicht plan zur Auflage - das Ergebnis fühlt sich an wie eine Unwucht und ist keine.

Reifen- und Felgenservice in Dortmund-Aplerbeck

RDKS ist bei uns Teil des Reifen- und Felgenservice: Reifenmontage und Wuchten auf modernen Maschinen, saisonaler Räderwechsel, Einlagerung auf Anfrage, RDKS auslesen und anlernen, dazu Felgen-Reparatur und Aufbereitung in verschiedenen Farben - von BBS über OZ bis zum Original-Werksrad.

Köln-Berliner-Str. 101, 44287 Dortmund-Aplerbeck. Telefon 0231 - 44 88 77, WhatsApp 0151 5060 5040, Mo-Fr 08:00 bis 16:45 Uhr. In der Räderwechselzeit sind wir zusätzlich samstags von 09:00 bis 13:00 Uhr da - bitte kurz telefonisch abklären, das ist saisonal.

Wer den Termin früh macht, kommt ohne Warteschlange durch: Im Oktober und im April ist jede Werkstatt im Ruhrgebiet gleichzeitig voll.

FAQ

Häufige Fragen dazu.

Brauche ich RDKS auch für den zweiten Radsatz?

Wenn Ihr Fahrzeug ein aktives System hat: ja. Bei Fahrzeugen, die ab November 2014 erstmals zugelassen wurden, ist das Reifendruckkontrollsystem Pflichtausstattung. Ein zweiter Radsatz ohne funktionierende Sensoren führt zur Dauerwarnung im Display und bei der Hauptuntersuchung zur Beanstandung. Ein Satz Sensoren ist eine einmalige Investition, die Sie über viele Jahre nutzen.

Wie lange hält ein RDKS-Sensor?

Die Batterie ist fest eingegossen und nicht wechselbar. Realistisch sind fünf bis zehn Jahre, je nach Fahrleistung und Temperaturbelastung - der Sensor sendet nur während der Fahrt, deshalb altert er bei Vielfahrern schneller. Fällt einer aus, prüfen wir die anderen mit: Sind sie gleich alt, ist der Satztausch meist die vernünftigere Entscheidung als vier einzelne Termine.

Warum muss nach dem Räderwechsel angelernt werden?

Weil das Steuergerät die Sensor-IDs kennen muss, die gerade am Fahrzeug montiert sind. Manche Fahrzeuge lernen selbstständig während der Fahrt, andere brauchen eine Anlernprozedur mit dem Diagnosegerät, wieder andere merken sich zwei Radsätze und müssen nur umgeschaltet werden. Wir machen das beim Räderwechsel mit und sagen Ihnen vorab, was der Wechsel inklusive RDKS für Ihr Fahrzeug kostet.

Ist eine leuchtende RDKS-Lampe ein HU-Mangel?

Ja. Ein nicht funktionierendes oder dauerhaft warnendes System wird bei der Hauptuntersuchung beanstandet - bei Fahrzeugen, für die RDKS vorgeschrieben ist. Die Einstufung reicht je nach Fall vom geringen zum erheblichen Mangel. Da unsere GTÜ-Prüfstelle im Haus ist, klären wir so etwas vor dem Prüftermin.

Kann ich das System nicht einfach abschalten lassen?

Nein. Bei Fahrzeugen mit RDKS-Pflicht ist das Deaktivieren keine Option - es ist ein Sicherheitssystem und Teil der Betriebserlaubnis. Abgesehen von der HU: Ein schleichender Druckverlust ist genau der Fall, den man ohne Sensor erst merkt, wenn der Reifen bereits gelitten hat.